Friedensethische Orientierungen

 
 

 

Christliche Friedensethik

denkt Frieden

auf und mit der Erde.

 

 
 

Statt einer Einführung

"Wir dürfen uns nicht an den Krieg gewöhnen!
Vielmehr müssen wir die Empörung von heute in das Engagement von morgen verwandeln. Denn wenn wir aus dieser Geschichte genauso hervorgehen wie vorher, dann werden wir alle auf die eine oder andere Art schuldig sein. Angesichts der Gefahr der Selbstzerstörung möge die Menschheit begreifen, dass die Zeit gekommen ist, den Krieg abzuschaffen, ihn aus der Geschichte der Menschheit zu tilgen, bevor er den Menschen aus der Geschichte tilgt." (Papst Franziskus, Angelusgebet am 27. März 2022).
 
Bestellung der Broschüre
 
Gerne können Sie die Broschüre in der Geschäftsstelle des Diözesanrates bestellen. 
  
Der Krieg gegen die Ukraine bringt bisherige Vorstellungen von Krieg und Frieden ins Wanken.
Als Ausschuss Politik und Gesellschaft unterstützen wir den Diözesanrat bei der Wahrnehmung seiner gesellschaftspolitischen Aufgaben.
 

 

Erschütterungen

 
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Aufgewachsen bin ich noch in der Zeit des Kalten Krieges mit ihren fragwürdigen weltanschaulichen Verhärtungen, mit manchmal geduldeter Alltags-Gewalt zwischen Peers und durch Erziehende. 
Die Schockwellen der aktuellen Geschehnisse belegen unsere Emotionen und Gefühle. Es wird von einer zertrümmerten Ordnung gesprochen.
Braucht es neue Kooperationsstrategien?
Sind Religionen, zumal monotheistische, mindestens Katalysatoren, wenn nicht gar Ursache besonders enthemmter Gewalt?
 

Einführung

Im Jahr des russischen Einmarsches in die Ukraine herrschten 26 Kriege weltweit. 
Mit dem Krieg in der Ukraine ist die Kriegsbedrohung näher denn je an uns herangerückt und hat hierzulande einen bisher unvorstellbaren Umschwung im Denken hin zu massiver Aufrüstung mit sich gebracht. 
 
 
 

Der Krieg darf nichts Unvermeidliches sein: Wir dürfen uns nicht an den Krieg gewöhnen!

 
 
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Zugänge

 
 
 
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Das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit,
lautet eine alt bekannte Binsenweisheit. Tatsächlich treten oft erst im Laufe der Zeit die wahren Ursachen und Hintergründe eines Krieges ins öffentliche Bewusstsein. 
 
Zu den vermeintlich einfachen Antworten zu Kriegsbeginn gesellen sich dann mehr und mehr komplexe Fragen: Wo, wie und wann hat dieser Krieg wirklich begonnen? Hätte dieser Krieg doch verhindert werden können? Wer profitiert aktuell vom laufenden Kriegsgeschehen? Davon abgeleitet stellen sich dann auch ethische Fragen wie diese: Ist dieser Krieg – ist überhaupt ein Krieg – gerecht und sind Waffenlieferungen in dieser Situation legitim? Hat angesichts dieses Krieges denn nun der Pazifismus oder hat die militärische Abschreckung versagt?
  
Begegnungen mit dem Militärhistoriker Prof. Wolfram Wette. 
Es ist der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann, der für Wolfram Wette zur Richtschnur für sein wissenschaftliches Arbeiten in der Historischen Friedensforschung wurde. 
 

 

Gerechter Krieg - Gerechter Frieden

 
 
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Kein Mensch will grundlos und ohne eigenes Verschulden leiden. Da es keinen Krieg ohne das Leid von Unschuldigen gibt, sind Kriege nicht gerecht.
Angesichts der erfahrenen Kriegsgräuel veränderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg der Fokus der friedensethischen Debatte und in den Mittelpunkt rückte die Frage, wie künftig Kriege vermieden werden könnten. 
Das Stichwort der „feministischen Außenpolitik‟ zeigt sich in der politischen Debatte zunehmend – gerade im Zusammenhang des Ukrainekrieges. 
 
Können Christ*innen, können Kirchen zur Gewinnung des Friedens in der Ukraine etwas Relevantes beitragen
– oder sind sie, zusammen mit anderen Religionen durch ihre eigene Gewalt- und Herrschaftsgeschichte eher Teil des Problems? 
 
Mit der ukrainisch-orthodoxen Theologin Lidiya Lozova wagen wir einen kurzen Blick in das Spannungsverhältnis von konsequenter Gewaltfreiheit, die biblisch inspiriert ist, und einem Drängen nach Gerechtigkeit und Freiheit, das meint auf Gewalt nicht verzichten zu können. Eine post-byzantinische Orthodoxie, so Lidiya Lozova, pflege ein hohes Ideal der geschwisterlichen Liebe zu allen Menschen, tadele Gewalt als Sünde schlechthin und entschuldige den Einsatz militärischer Gewalt als letztes, sündhaft-tragisches Mittel nur in Ausnahmesituationen:
“Every act of violence against human being is ... violence against a member of one’s own family”.
 

Kriege sind keine übernatürlichen Erscheinungen, keine Schicksale. Kriege sind Menschenwerk!

(Wolfram Wette)
 

 

Abschied vom Pazifismus?

 
 
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Einführung

1901 prägte der französische Jurist Emile Arnaud den Begriff “Pazifist” unter Bezug auf die lateinische Übersetzung des Jesus-Wortes „Selig die Friedensstifter“ (”beati pacifici”, Mt. 5,9). Unter den sehr unterschiedlichen Ausgestaltungen des Begriffs ist die konsequenteste wohl die generelle Ablehnung militärischer Gewalt und nicht nur bestimmter Waffen (z.B. Atompazifisten) und bestimmter Kriege (z.B. Angriffskrieg). „Ursprünge des Pazifismus finden sich sowohl im christlichen Glauben als auch in anderen Religionen und Kulturen (M. Gandhi). Er findet sich in sozialistischen Schriften und wurde in Deutschland durch die Ostermarschbewegung sowie später durch die Friedensbewegung in eine breitere Öffentlichkeit getragen”, so die Definition der Bundeszentrale für politische Bildung.
 

Die letzte Entscheidungsinstanz bleibt das Gewissen jedes Einzelnen.

 
  
Wie Frieden gemacht werden soll (pax= Friede / facere = machen) unterliegt seit jeher unterschiedlichen Interpretationen. 
In Politik und Gesellschaft ist seit Kriegsbeginn medial befeuert ein regelrechter militaristischer Sog entstanden, dem sich viele Politiker*innen, aber auch viele Theolog*innen und führende kirchliche Vertreter*innen nicht entziehen können.  
Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr erfüllen ihren Auftrag, wenn sie aus innerer Überzeugung für Menschenwürde, Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität und Demokratie als den leitenden Werten unseres Staates aktiv eintreten.
Das Einzige, was es zu gewinnen gibt, ist der Frieden! (Heinrich Böll) 
 

 

Werkzeugkasten

 
  
Das Suchen nach gangbaren Wegen zum Frieden, nach friedensethischen Orientierungen und einer friedlicheren Welt beschäftigte den Ausschuss „Politik und Gesellschaft“ über viele Monate. 
Frieden ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Er ist das vielleicht wichtigste Erziehung- und Bildungsfeld. 
 
Reaktionen und Ergänzungen
Sie haben jetzt Erschütterungen – Zugänge – Anregungen von unserer Seite gelesen.
Welche Reaktionen erleben Sie bei sich? Gibt es Argumente, die nicht ausreichend berücksichtigt wurden? Gibt es Perspektiven, die Sie dazulegen wollen? Gibt es neue Gedanken, die die Texte bei Ihnen auslösen? 
Wir möchten Sie ermutigen, Ihre Reaktionen, Ergänzungen, Zugänge zu Papier zu bringen und sie uns als „Leserbrief” an julia.loeffelbein@seelsorgeamt-freiburg.de zukommen zu lassen.
 
Einführung
 
Je länger der Krieg andauert, desto mehr beginnt aber auch die Suche nach Auswegen aus der Gewalt: Wie kann in dieser eskalierten Situation jetzt der Friede wieder gewonnen werden? Welche Impulse können beispielsweise aus der Friedensbildung kommen? Kann die Initiative “Sicherheit neu denken” fruchtbar weitergedacht werden?
 
Allen, die sich fragen “Und nun?” geben die nebenstehenden und folgenden Punkte Anregungen für das weitere Nachdenken und Handeln.
 

Wege zum Frieden entstehen

mit dem ersten Schritt!

 
 

Seligsprechung - Max Josef Metzger

  
Seligsprechung am 17.11.2024
In Schopfheim geboren am 03. Februar 1887, nimmt er als Militärseelsorger am Ersten Weltkrieg teil. Schon während des Krieges wird für ihn die Friedensarbeit zur vordringlichen Aufgabe, denn er ist der Überzeugung, dass Kriege künftig ihren Sinn verloren haben, indem sie niemand mehr Aussicht geben, mehr zu gewinnen als zu verlieren.
Wegbereiter für den Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung
„Ich habe mein Leben Gott angeboten für den Frieden der Welt und die Einheit der Kirche.“
Max Josef Metzger als Vordenker und Vorkämpfer für Frieden und Ökumene
 

Lesetipps

  
Päpstliche Botschaften zum Weltfriedenstag am 1. Januar.
Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten.
Auswege aus Spaltung und Gewalt.
Anleitung zur Belebung pazifistischen Denkens.
Eine Studie für die Stiftung Wissenschaft und Politik.
Friedensappell der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg.
Die Alltagserfahrungen einer ukrainischen Journalistin und eines russischen Künstlers im Ukrainekrieg.
Das friedenstheologische Profil des aktuellen Pontifikats aus verschiedenen Blickwinkeln.
Angebote für die Friedensarbeit vor Ort.
Wir im Westen verstehen Kriege falsch, sagt der Politikwissenschafter Richard Ned Lebow. 
Die Erklärung der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
 

Akteure

  
Frauenrechtsorganisation, die sich für Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten engagiert.
Ökumenisches friedenskirchliches Netzwerk 
Bildungsarbeit für gewaltfreie Konfliktkultur und  zivile Sicherheitspolitik
Forum katholischer Einrichtungen und Organisationen
Service- und Informationsbüro für die Friedensbewegung
Vernetzungsstelle friedenstheologischer Projekte 
pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche.
Beratungs-, Vernetzungs- und Kontaktstelle für Schulen 
Szenario zum mittelfristigen Ausstieg aus der militärischen Friedenssicherung
 

Filme

  
Spielfilme
Anfang der 1940er-Jahre gerät der tiefgläubige oberösterreichische Bauer Franz Jägerstätter in einen Gewissenskonflikt, als er für die Nationalsozialisten in den Krieg ziehen soll. 
Sommer, 1965. Das formal bestehende Wahlrecht für Afroamerikaner in den USA wird in der Realität des rassistischen Südens ad absurdum geführt. 
An Hand des Falls der französischen Trappisten von Tibhirine/Algerien, die 1996 ermordet wurden, zeigt der Film, wie aus tiefer Spiritualität und der Nähe zu Gott die Kraft erwächst, die Botschaft der Liebe angesichts der Bedrohung durch Gewalt konsequent zu leben. 
  
Kurzfilme
Eine visuelle Reise, die uns auffordert, über eine universale Zugehörigkeit nachzudenken, die sich nicht auf eine Stadt, eine Region oder eine nationale Grenze beschränkt - in einer Zeit, in der Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus und Intoleranz allgegenwärtig sind.  
Nach einer wahren Begebenheit. Zwei Brüder haben durch den Krieg ihre Heimat verloren. Behütet von der Mutter lassen sie sich in einer neuen Stadt nieder. 
"Krieg setzt Fragezeichen hinter all das,  was uns bisher sicher und vertraut erschien.  Kein Wort kann fassen, was Ängste und Verletzungen,  Verluste und Verunsicherung in uns auslösen. 
In einem Klassenzimmer doziert ein Lehrer zum Thema Anthropologie, Hominisation und kulturelle Leistungen des Menschen. Unterstützt durch geschickte Kameraführung und musikalische Untermalung kommt der Film jedoch zu einer überraschenden Wendung,
Ein Auto fährt auf einer Landstraße durch die Nacht, badende Urlauber entspannen sich an einem Meeresstrand: Alltägliche Szenen aus der Vogelperspektive, während aus dem Off drei US-Drohnenpiloten von ihrer Arbeit erzählen. 
Westfront Weihnachten 1914: Die Truppen des Deutschen Reiches liegen den feindlichen Heeren in unerbittlichem Stellungskrieg gegenüber. 
  
Dokumentarfilme
Kann Gewalt legitim sein?
Der Nahostkonflikt ist sowohl historisch als auch in der internationalen Politik von Bedeutung. 
Pazifisten, Widerständige, Visionäre - Freiburger*innen in Zeiten von Krieg und Frieden
Die syrische Journalistin Waad al-Kateab verliebt sich während der Belagerung von Aleppo in den Arzt Hamza, heiratet ihn, wird schwanger und bringt eine Tochter zur Welt. 
Vor 70 Jahren (1948) wurde in Neu-Delhi Mohandas Karamchand Gandhi von einem Hindu-Extremisten erschossen. 
Der aus Brasilien stammende Fotograf Sebastião Salgado dokumentierte in den vergangenen 40 Jahren die Spuren unserer Menschheitsgeschichte auf allen Kontinenten. 
 

Unterrichtsmaterialien

können über das Institut für Religionspädagogik bezogen werden.
 

Workshops und Vorträge

 
 
  
Bildungsmaterial für die religionspädagogische Jugendarbeit
St. Martin: Mantelteiler. Kriegsdienstverweigerer. Friedensstifter.
  
Menschenfeindliche und rassistische Parolen begegnen uns regelmäßig im Alltag.
Wie kann man über die verschiedenen Positionen zum Krieg in der Ukraine in den Austausch kommen? pax christi hat einen „Workshop zum Selbermachen“ vorbereitet, den man in der eigenen Gemeinde durchführen kann.
 

 

 

Frieden ist kein Zustand, 

sondern ein Prozess.

 

 

 
 
 
 
 

Friedensgebet

 
Gütiger und barmherziger Gott, 
der Krieg in der Ukraine führt uns schmerzlich unsere Grenzen vor Augen.
Voller Angst und Trauer und mit ohnmächtiger Wut stehen wir vor Dir. 
Wir sind Zeugen eines brutalen Krieges und fragen uns, ob wir uns in den 
zurückliegenden Jahren genug dafür engagiert haben, das drohende Unheil zu verhindern. 
 
Wie viele Konflikte und militärische Auseinandersetzungen weltweit 
haben wir zur Kenntnis genommen und sind einfach weitergegangen? 
Können denn noch mehr Waffen die Ursachen der Konflikte beseitigen? 
Was für ein Frieden soll das denn sein, der auf Bedrohung, Abschreckung 
und Stacheldrahtzäunen errichtet wird, statt auf der Grundlage von 
Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Solidarität? 
 
Wie groß muss das Leid denn noch werden, bis wir Menschen endlich lernen 
umzukehren und umzudenken? 
Sind denn hunderttausende Tote und Millionen Flüchtlinge nicht genug? 
 
In dieser scheinbar ausweglosen Situation bitten wir dich: 
sende deinen Geist aus und bekehre uns, 
damit wir fähig werden zu einem gerechten Frieden,
zu einer dauerhaften Versöhnung und zu einem verantwortlichen Umgang 
mit deiner uns anvertrauten Schöpfung. 
 
Im Namen all jener, die unmittelbar betroffen und bedroht sind oder mittelbar unter 
den Folgen leiden, erbitten wir das Wunder eines gerechten Friedens –
für die Ukraine, Russland und den ganzen Erdkreis. Erneuere das Antlitz der Erde 
und erfülle die Verantwortlichen mit deinem Geist.
Befähige sie und uns alle, im Vertrauen auf dich 
die Spirale von Gewalt, Zerstörung und Elend zu unterbrechen. Amen
 
(Renovabis Friedensgebet 2023)