Max Josef Metzger - ein Impuls von Christoph Bayer

Seligsprechung am 17.11.2024

In Schopfheim geboren am 03. Februar 1887, nimmt er als Militärseelsorger am Ersten Weltkrieg teil. Schon während des Krieges wird für ihn die Friedensarbeit zur vordringlichen Aufgabe, denn er ist der Überzeugung, dass Kriege künftig ihren Sinn verloren haben, indem sie niemand mehr Aussicht geben, mehr zu gewinnen als zu verlieren.

Max Josef Metzger 
Der erste Weltkrieg, bei dem er als Divisionspfarrer diente, machte aus Max Josef Metzger, einen überzeugten Pazifisten. Er forderte Abrüstung und gründete mehrere pazifistische Organisationen, darunter 1919 den Friedensbund deutscher Katholiken und suchte Verbindung zur internationalen pazifistischen Bewegung. 
 
Mit Nachdruck tritt er für die ökumenische Friedensidee ein und gilt bald als führender deutscher Pazifist. Aus dieser Orientierung fand Metzger zu seinen Friedensgrundsätzen: Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Liebe. Wenn Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit die Grundlagen darstellen würden, so wäre die christliche Liebe die Vollendung einer friedlichen Beziehung. Mit diesem Friedensprogramm wandte sich Metzger mitten im Ersten Weltkrieg in einem nichtnationalen Aufruf zunächst »an alle Katholiken aller Völker«, bald darauf trat er dem überwiegend protestantischen »Internationalen Versöhnungsbund« bei.
 
Mehrfach wird Metzger von der Gestapo festgenommen. Er setzte sich für die Einheit der Christen ein und gründete 1938 dafür die Bruderschaft Una Sancta. Metzger stellte sich von Anfang an dem Nationalsozialismus entgegen. 1939 schreibt er einen prophetischen Brief an Papst Pius XII. und macht ihn auf die Gefahr eines Weltkriegs aufmerksam. 
 
1943 verfasste er ein s.g. „Memorandum“ zur staatlichen Neuordnung Deutschlands und dessen Einbindung in eine zukünftige Weltfriedensordnung, auch als „Manifest für ein neues Deutschland“ bezeichnet wird. Hier wird seine Haltung gegenüber dem Nazi-Regime deutlich. Als er versuchte, diese Denkschrift dem schwedischen Erzbischof Erling Eidem von Uppsala zu übermitteln, wird er von der Kurierin, einer Gestapoagentin, die sich in die Una-Sancta-Bewegung eingeschleust hatte, denunziert. Als schwedische Staatsbürgerin durfte sie auch während des Krieges nach Schweden reisen. Am 29. Juni 1943 wird er erneut festgenommen, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 17. April 1944 durch das Fallbeil ermordet. Sein „Verbrechen“: der Wunsch nach Frieden und nach Einheit der Christen. 
 
„Tod! Wo ist dein’ Macht geblieben? Höllenfürst, wie bist du klein! Alles Dunkel muss zerstieben vor der Ostersonne Schein.“ Dieses Gedicht schrieb Max Josef Metzger an Ostern 1944, kurz vor seinem Tod. „Noch nie habe ich einen Menschen mit so frohleuchtenden Augen in den Tod gehen sehen wie diesen katholischen Priester…“, soll der Henker zum Gefängnisseelsorger Peter Buchholz später gesagt haben.
 
Es ist der konsequente Wechsel der Blickrichtung, der Max Josef Metzger zum Pionier der Friedensbewegung machte: keine Überprüfung des Krieges auf seine Legitimität nach den Kriterien des Naturrechts, sondern seine grundsätzliche Infragestellung mit den Augen der Bergpredigt.
Für den Kirchenmusikdirektor O’Duffy aus der Diözese Charlston, South Carolina, sind die Texte und Gedichte des katholischen Märtyrers Max Josef Metzger eine Inspirationsquelle geworden. Er vertonte sie in einem Liederzyklus. Einige der Texte entstanden in den letzten Wochen kurz vor Metzgers Tod im Zuchthaus Brandenburg-Görden. O’Duffy ist überzeugt: „Er ist eben nicht nur ein Märtyrer, der für seinen Glauben eintrat, sondern brachte die zwei großen Kirchen in Deutschland zusammen. Damit prägte er auch die Demokratiebewegung nach 1945, auch wenn er selbst kein Politiker war.“ Der irisch-amerikanische Komponist ist tief beeindruckt vom Wirken Metzgers, vor allem von seinem Einsatz für die Ökumene. „Heute ist das kaum noch vorstellbar, wie tief entzweit katholische und evangelische Christen vor 100 Jahren noch waren. Metzger war überzeugt, dass es einen Frieden zwischen den Völkern nur durch einen Frieden zwischen den Konfessionen geben kann“, so Cormac O’Duffy. – Kein Frieden ohne Religionsfrieden, formulierte Hans Küng etliche Jahrzehnte später.
 
Die Ideen für ein gemeinsames Europa, die der katholische Priester in seinem „Memorandum“ vertrat, sind nicht nur für die damalige Zeit spannend, seine Vorstellungen, wie wir in Europa friedlich zusammenleben können, sind gerade jetzt wieder hochaktuell. 
 
„Ich habe mein Leben Gott angeboten für den Frieden der Welt und für die Einheit der Kirche" waren Metzgers letzte Worte vor der Hinrichtung am 17. April 1944 um 15.27 Uhr. Es waren seine beiden großen Lebensziele, für die er sich einsetzte und starb.
 
Christoph Bayer

Quelle: 
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Pontifikalamt anlässlich der Seligsprechung: 17.11.2024