Wege zum Frieden suchen - und gehen
Das Suchen nach gangbaren Wegen zum Frieden, nach friedensethischen Orientierungen und einer friedlicheren Welt beschäftigte den Ausschuss „Politik und Gesellschaft“ über viele Monate.
Zur Bereicherung der intensiven Diskussionen wurden auch viele Fachleute zu den Ausschusssitzungen eingeladen. Siehe unten stehende Zusammenstellung.
„Wer eine friedlichere Welt will, muss die tieferliegenden Ursachen des Krieges bekämpfen“, meint der katholische Militärbischof Franz Josef Overbeck und hält das Paradigma des „gerechten Friedens“ weiterhin für das zentrale Element der katholischen Friedensethik. Frieden wird darin verstanden als bleibende Aufgabe und als dynamisch kontinuierlichen Prozess abnehmender Gewalt und zunehmender Gerechtigkeit mittels Recht und Dialog. Im öffentlichen Diskurs wird immer wieder die Bergpredigt als normative Autorität eingebracht. Das ist wichtig und richtig, verlangt aber auch – so Justenhoven – nach einem angemessenen hermeneutischen und kontextsensiblen Verständnis.
Die Bergpredigt verbietet Selbstverteidigung nicht, genauso wenig wie legitime Selbstverteidigung die primäre Option für ein Ethos der Gewaltfreiheit in Frage stellt. Im Wissen um diese Spannung ist die katholische Friedensethik als Prozess- und als Prinzipienethik nach wie vor ein wichtiger Kompass, der uns hilft, Entscheidungen treffen zu können. Aber sie ist keine fertige Schablone, die sich einfach
auf jede neue Frage und konkrete Situation anlegen ließe, um zu einer Lösung zu gelangen. Katholische Friedensethik ist daher stets als eine Ethik differenzierter und kontextsensibler Einzelfallanalyse unter den Bedingungen von Unsicherheit und begrenztem Wissen sowie angesichts realistischer Gegenwartsszenarien zu entfalten, die keine vorschnellen Verabsolutierungen und Generalisierungen zulässt.
Wege zum Frieden müssen immer wieder neu gefunden werden – so unrealistisch sie zunächst scheinen.
In den Beiträgen dieser Broschüre wurde der Versuch unternommen, aus unterschiedlichen Perspektiven friedensethische Orientierungen zu entwickeln und hierbei die christliche Fokussierung ins Zentrum zu stellen, ohne historische, politische und auch globale Gesichtspunkte zu vernachlässigen. Gedankliche Offenheit mit klaren eigenen Werten zu verbinden ist eine unabdingbare Bedingung für Gesprächsfähigkeit.
Hierzu wollen wir mit dieser Broschüre beitragen. Wir hoffen, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, Anregungen und Hilfe fürs Gespräch finden. Wege zum Frieden entstehen mit dem ersten Schritt.
Für den Ausschuss „Politik und Gesellschaft“
Christoph Bayer
