MACHT
Macht ist nichts, was außerhalb von uns existiert; wir sind in sie verwoben und leben in ihr.
Wir alle sind in Gut und Böse verstrickt. Diese Einsicht gilt es anzuerkennen.
Wer sich mit diesem Thema beschäftigt, muss sich von jeder besserwisserischen Haltung lösen – sei sie theologisch, politisch links oder rechts. Ein neutraler oder unschuldiger Zugang ist nicht möglich. Macht ist nichts, was außerhalb von uns existiert; wir sind in sie verwoben und leben in ihr. Deshalb gibt es keinen festen Punkt, von dem aus man sich in moralischer Überlegenheit als unbeteiligter Richter über Gut und Böse aufschwingen könnte – weder religiös, noch politisch, noch moralisch. Wir alle sind in Gut und Böse verstrickt. Diese Einsicht müssen wir zulassen.
Macht kann aber auch etwas Positives sein. Sie ist notwendig, sie kann Neues, Kreatives auf den Weg bringen, es geht um eine neue Sicht, die Kraft und Energie entwickelt und uns neue Wege aufzeigt. Wir sprechen von Empowerment, wo Macht uns hilft, unserer Verwundbarkeit standzuhalten und sie zu überwinden. So wollen wir unsere Initiative verstanden wissen. Es geht uns nicht darum, „cancel culture“ zu betreiben oder ein schlechtes Gewissen zu erzeugen, sondern auf eine Spur zu locken, die in Handeln mündet: Insofern darf „Macht“ auch als Imperativ zum Handeln verstanden werden.
Thomas Schmidl - stellv. Vorsitzender im Ausschuss Weltkirche und Partnerschaft
Quelle:
Rainer Bucher; Was ist kritische Theologie und zu welchem Zweck betreiben wir sie? In Ch. Kern/J. Gruber/Ch. Bauer (Hrsg.), Spielarten der Macht. Theologie orten und räumen mit Hans-Joachim Sander, Ostfildern 2024, S. 21
