Der "Synodale Weg" ist noch lange nicht beendet

6. und damit letzte Synodalversammlung - Ende Januar 2026 in Stuttgart

Mit der sechsten Synodalversammlung in Stuttgart endete Ende Januar der Synodale Weg. Die Teilnehmenden zogen Bilanz.

Ende Januar trafen sich die 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Synodalen Weges zu ihrer sechsten und damit letzten Versammlung. Zu Beginn erinnerte die Stimmung in der alten Reithalle in Stuttgart an ein Klassentreffen, bei dem ehemalige Weggefährten nach vielen Jahren ein Wiedersehen feiern. Schnell fand aber die Synodalversammlung in den eingeübten Arbeitsmodus, zumal die Tagesordnung gut gefüllt war.
 
Zum Auftakt blickten die Synodalen in Form einer Conversatio in spiritu (Gespräch im Geist) auf den bisherigen Synodalen Weg zurück. Es zeigte sich, dass diese Methode des Zuhörens und Austausches - bekannt aus der Weltsynode in Rom - auch eine Bereicherung für die Synodalversammlung in Stuttgart war.
 
Die Evaluation des Synodalen Weges und das Monitoring der Beschlüsse bildeten einen Schwerpunkt in der Tagesordnung. Hier standen nicht die theologischen Grundlagentexte im Fokus, sondern die ganz konkreten Handlungsempfehlungen, die der Synodale Weg beschlossen hatte. Die vom Synodalen Ausschuss eingesetzte Kommission „Evaluation und Monitoring“ konnte von einigen positiven Beispielen berichten. So wurde in einigen Diözesen sehr schnell eine Beteiligung der Gläubigen bei der Wahl des Bischofs festgelegt. Das Bistum Münster sammelt hier aktuell erste Erfahrungen. In vielen Bereichen war der Monitoring-Bericht jedoch ernüchternd. Die meisten Handlungsempfehlungen werden noch nicht oder nur sehr zögerlich umgesetzt. So sind Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare immer noch nicht in allen Bistümern möglich. Die Diskussion zu den Ergebnissen der Studie wurden zum Teil sehr emotional geführt. Dennoch wurde beschlossen, auch für die zukünftige Synodalkonferenz ein Monitoring einzuführen. Zusätzlich wurden die Diözesanbischöfe und die jeweiligen synodalen Gremien aufgerufen, gemeinsam an der Umsetzung der Handlungsempfehlungen zu arbeiten. Man war sich einig: Nur wenn Beschlüsse umgesetzt werden und strukturelle Erneuerungen und kulturelle Veränderung in den Pfarreien und Kirchengemeinden vor Ort spürbar sind, kann die Reforminitiative dauerhaft in der Katholischen Kirche verankert werden. Die in Stuttgart einstimmig beschlossene Abschlusserklärung bringt es auf den Punkt. Dort heißt es: „Das Ziel der Synodalkonferenz ist es, Partizipation, Transparenz und Rechenschaft zu sichern, Diskriminierung zu bekämpfen und Geschlechtergerechtigkeit zu fördern. Die Synodalkonferenz führt durch gemeinsame Beratungen zu gemeinsamen Beschlüssen.“
 
Der Bericht zur Aufarbeitung und Aufklärung des sexuellen Missbrauchs verdeutlichte, dass im Bereich Aufarbeitung und Prävention große Fortschritte erzielt wurden, auch wenn die Mauer aus Schweigen, Ignorieren und Relativieren noch nicht überall beseitigt ist.
 
Der Synodale Weg der Katholischen Kirche in Deutschland ist noch längst nicht beendet. Viele Fragen sind offen geblieben und weitere Themen, die bisher nicht im Fokus standen, müssen zusätzlich behandelt werden. Die Synodalkonferenz soll im November 2026 ihre erste Versammlung abhalten. Vorher müssen noch die deutsche Bischofskonferenz und der Vatikan in Rom ein grünes Licht für Synodalität in der Katholischen Kirche in Deutschland geben.
 
Dr. Stefan Eschbach - Mitglied im Diözesanrat und Delegiert für das Zentralkomitee  der Deutschen Katholiken