Synodalität als ein Weg zu einer lebendigen und partizipativen Kirche

Wer im Kontext weltkirchlicher Aktivitäten, wie z.B. Peru-Partnerschaft oder anderen Nordsüdpartnerschaften unterwegs ist, macht zunehmend die Erfahrung, dass im kirchlichen Alltag der Begriff Weltkirche häufig eher konservativ, kurienorientiert und so systemstabilisierend erfahren wird. 

Das verdeckt den Blick auf Erfahrungen einer lebendigen und vielgestaltigen Kirche, die sich gegenseitig inspirieren kann.
 
Der Ausschuss Weltkirche und Partnerschaft aus dem Diözesanrat Freiburg lud Sr. Dr. Birgit Weiler ein, um Einblicke zu geben in die Praxis der synodalen Arbeit in Lateinamerika und besonders in Peru. Es gab aber auch Zeit, um in Austausch zu kommen über synodale Prozesse in Deutschland und in der Weltkirche, insbesondere im Kontext weltkirchlicher Partnerschaften. Synodalität als Haltung kann weltkirchliche Aktivitäten stärken und bereichern. Aus der Erzdiözese beim Synodalen Weg in Deutschland hat auch Dr. Stefan Eschbach (Mitglied im Diözesanrat und im ZdK) seine Expertise eingebracht.
 
Sr. Dr. Birgit Weiler stammt aus Duisburg und ist Missionsärztliche Schwester. Seit 1995 lehrt sie an der Jesuitenuniversität "Antonio Ruiz de Montoya" in der peruanischen Hauptstadt Lima, außerdem ist sie Beraterin des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM.  Auf Einladung von Papst Franziskus nahm sie an der Sondersynode über die Zukunft des Amazonasgebiets im Vatikan teil. Als Theologin im CELAM-Beirat war sie weiterhin intensiv am Prozess des „Einander Zuhören“ und der Erstellung der Dokumente zur Reflexion bei der Ersten kirchlichen Versammlung (asamblea eclesial) Lateinamerikas beteiligt.
 
Als Früchte der Amazonasynode bezeichnet Sr. Weiler den kirchlichen Aufbruch in verschiedenen Dimensionen: soziale, kulturelle, ökologische und kirchliche Dimension. Die Kirche sei als Bündnispartnerin gemeinsam auf dem Weg mit den ursprünglichen bzw. indigenen Völker, als eine Kirche die zuhört und lernt in einem wechselseitigen Lernprozess. Ein Schwerpunktthema sei dabei die Teilhabe von Frauen in der Kirche Lateinamerikas und der Karibik. Organisationsstrukturen sowie Verfahrensweisen müssen geschaffen werden, die die Praxis von Synodalität ermöglichen und sichern.
 
In dem Abschlussdokument der Amazonassynode wird es folgendermaßen Zusammengefasst: "Wenn wir eine synodalere und missionarischere Kirche wollen, ist es notwendig, das Profil der Ämter, insbesondere der geweihten Amtsträger, zu überdenken, damit sie ihren Dienst 'in' der Gemeinschaft und nicht 'über' ihr stehend ausüben", mit einer Ausbildung "in enger Beziehung zu den pastoralen Prozessen und dem Leben der Menschen, denen sie dienen sollen" (Ceama-Repam; SinLAC 89).
 
Für uns als Ausschuss bedeutet das: Wenn wir synodale Kirche sein wollen, ist es wichtig, alle Lebensbereiche in unser Handeln und Denken einzubeziehen: die soziale, die ökologische und die ökonomische Perspektive und deren Expertise. Es geht nicht nur um eine Haltung innerhalb des Machtgefüges katholischer Kirche. Und es ist notwendig mit allen Menschen zu sprechen und diese in unsere Überlegungen auf echter Augenhöhe einzubeziehen, die aus ihrer Lebens- und Arbeitspraxis dazu etwas zu sagen haben, nicht nur die, die Teil der Kirche sind.
 
Einen Prozess der notwendigen Dekonstruktion von Machtasymmetrien und davon geprägten Denkmustern und Strukturen sollte auch in der Katholischen Kirche in Deutschland angestoßen werden. Der Status Quo und die Verflochtenheit von Patriarchalismus, Machismo u. Klerikalismus sollten intensiv hinterfragt werden.
"Wir brauchen einen Strukturwandel, der uns aufbrechen lässt und in Bewegung bringt. Das erfordert Flexibilität, Dialog, Toleranz, Akzeptanz, Respekt. Nicht neuen Wein in alte Schläuche füllen" (SinLAC, 38).
 
Schwester Birgit wurde vom Papst als eine von zwei Frauen aus Lateinamerika zur Beraterin des Generalsekretariats der Weltsynode ernannt.